Zinspanik bei Gold und Silber!

Weil die US-Notenbank orakelt hatte, vielleicht irgendwann die Zinsen wieder einmal anzuheben, gingen mit den Edelmetall-Anlegern die Gäule durch. Wie ist die Lage einzuschätzen?
Andreas Hoose

Andreas Hoose

Bei ihrer Zinssitzung von dieser Woche hatte die US-Notenbank ihre Geldpolitik unverändert belassen. Die Zinsen bleiben nahe Null. Doch wie so oft hörten die Investoren das Gras wachsen: Die meisten Mitglieder im Fed-Komitee würden eine Zinserhöhung binnen zweieinhalb Jahren befürworten, hieß es. Noch dazu erwähnte Fed-Chef Jerome Powell ungewohnt offen, dass über ein Zurückfahren der Anleihekäufe nachgedacht werde.

Im Sog dieses Nachrichtencocktails waren vor allem die Edelmetalle stark unter Druck geraten. Steigende Zinsen? Womöglich „schon“ ab 2023, wie Powell orakelte.

Um Gottes Willen!

Entschuldigung, wenn ich lache. Aber vor allem das Verhalten der Edelmetall-Anleger war in dem Zusammenhang wirklich albern: Rund acht Prozent hatte der Silberpreis als Antwort auf die Fed-Spitzen innerhalb von zwei Tagen eingebüßt. Beim Gold waren es 5,5 Prozent. Und das alles, weil die Notenbank gemutmaßt hatte, das Leitzinsniveau in ferner Zukunft auch einmal wieder anheben zu wollen! Also, vielleicht. Irgendwann aber ganz bestimmt. Oder wie jetzt? Den Silberpreis auf Wochenbasis jedenfalls zeigt die folgende Grafik:

Zur Einordnung: Die Inflationsraten waren in den USA zuletzt mit 5,0 Prozent hereingekommen, nach 4,2 Prozent im April. Sollte das Inflationsniveau für längere Zeit in diesem Bereich verharren, womöglich gar weiter ansteigen, was anzunehmen ist, dann müsste die Fed den Leitzins in Bereiche um 5,0 Prozent anheben, damit der Realzins wieder positiv wird. Fünf Prozent! Dann, aber erst dann, würde es für die Edelmetalle von der Zinsseite her wieder kritisch werden. Warum das so ist, das zeigen die 1970er Jahre: Trotz rekordhoher Zinsen explodierte der Goldpreis wegen der horrenden Inflationsraten… 

Die Annahme, die Zinsen könnten auf fünf Prozent ansteigen, ist jedoch geradezu grotesk, denn schon heute, bei einem Zinsniveau nahe Null, ächzen die Staaten rund um den Globus unter der Last einer historisch einzigartigen Verschuldung. Eine substanzielle Leitzinsanhebung ist in diesem Umfeld vollkommen ausgeschlossen, weil den Notenbanken ihr selbst gezimmertes Schuldenkartenhaus dann um die Ohren fliegt. Die Fed weiß das natürlich.

Ergo wird es bis auf Weiteres bei verbalakrobatischen „Zinsanhebungen“ wie in der vergangenen Woche bleiben. Denn Hunde, die bellen, beißen bekanntlich nicht.

Allerdings zeigen die jüngsten Ereignisse, dass es noch eine Weile dauern könnte, bis auch die Anleger das Spiel durchschaut haben. Doch der Tag wird kommen. Am Ende wird den Notenbanken ihr Kartenhaus tatsächlich um die Ohren fliegen. Aber nicht etwa, weil sie die Zinsen angehoben hätten, sondern weil die Menschen das Vertrauen in diesen ganzen Budenzauber verloren haben.

Und dieser Prozess beginnt gerade erst. Das zeigen nicht zuletzt die Entwicklungen auf den physischen Edelmetall-Märkten. Dort gelten längst ganz andere Preise als auf den „Papiermärkten“.

Und zwar deutlich höhere…

Wie wir die Lage bei den Edelmetall-Aktien einschätzen, und ob sich hier bereits Kaufchancen auftun, das lesen Sie in der kommenden Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs…

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