Gold 2000: Die Magie der großen Zahl…

Mit erstaunlicher Präzision zeigt uns das "Fieberthermometer der Finanzmärkte", was uns in den kommenden Jahren bevorsteht. Wer hinsieht, der erkennt schon heute das Unvermeidliche...
Andreas Hoose

Andreas Hoose

In jüngster Zeit dürfte so mancher Goldanleger schier verzweifeln und sich fragen: Wird das Gold nach vier Fehlversuchen denn jemals über die psychologisch so wichtige Marke von 2.000 US-Dollar je Feinunze ansteigen? Und was passiert anschließend? Wird es dann, so wie zuletzt immer wieder gesehen, erneut in sich zusammenfallen?

Das ganze Drama der vergangenen fünf Jahre wird in der folgenden Grafik sichtbar. Abgebildet ist die Entwicklung des Goldpreises seit dem Jahr 2018 auf Wochenbasis. Wie hier gut zu sehen ist, hat das Gold mittlerweile viermal (!) Anlauf genommen, um die prominente Hürde bei 2.000 US-Dollar je Feinunze zu überwinden. Achten Sie auf die waagrechte grüne Linie. Da diese Versuche bislang allesamt fehlgeschlagen sind, liegt die Vermutung nahe, dass daraus auch längerfristig nichts werden wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch wie das an der Börse eben so ist, passieren die wichtigsten Weichenstellungen immer genau dann, wenn niemand mehr damit rechnet. Beim Gold dürfte die Verzweiflung vieler Anleger mittlerweile ein Rekordniveau erreicht haben, denn wer sich eine „Klatsche“ nach der anderen abholt, der verliert mit der Zeit jede Zuversicht. Doch genau dieses Umfeld liebt die Börse, um den Anlegern eine lange Nase zu machen – und exakt das Gegenteil von dem zu tun, was die Mehrheit erwartet…

Sehr erhellend ist in dem Zusammenhang der Blick auf einige wichtige langfristige Datensätze und Indikatoren. Beginnen wir beim Gold selbst:

Die folgende Abbildung zeigt die Preisentwicklung seit dem Jahr 1900. Aus heutiger Sicht ist die Erkenntnis schier atemberaubend, dass das Gold seine Bergfahrt vor 123 Jahren bei ziemlich genau 18,96 US-Dollar je Feinunze begonnen hat (grüne Markierung unten links).

So richtig in Schwung gekommen ist die Sache allerdings erst im Zuge eines Ereignisses, das in die Geschichtsbücher eingehen sollte: Im August 1971 wurde die Goldbindung des US-Dollar durch US-Präsident Nixon aufgehoben. „Vorübergehend“, wie es damals hieß. Doch aus der vermeintlichen Zwischenepisode ist längst ein Dauerzustand geworden.

Im Jahr 1970, also unmittelbar vor der Entscheidung von US-Präsident Richard Nixon, das Goldfenster zu schließen, notierte das Gold bei 36,02 US-Dollar je Feinunze.

Und jetzt wird es interessant:

Aus der Goldpreis-Entwicklung, die seither zu beobachten war, errechnet sich bei einem angenommenen Goldpreis von heute rund 1.856 US-Dollar je Feinunze ein jährlicher Wertzuwachs von rund 7,9 Prozent. Doch jetzt kommt die Überraschung dabei:

Dies entspricht nämlich ziemlich genau dem Wachstum der Geldmenge in den USA, wie auch der Zunahme der Staatsverschulung in der gleichen Zeit.

Das glauben Sie nicht? Sehen Sie sich dazu die folgende Grafik an. Abgebildet ist die Entwicklung der US-Staatsschulden seit dem Jahr 2001. Wenn Sie mit den abgebildeten Zahlen einen Zinsrechner bemühen, kommen Sie auf eine durchschnittliche jährliche Zunahme von, Trommelwirbel-Tusch, rund 7,9 Prozent. So ein Zufall aber auch…

Auch die tatsächliche Inflationsrate dürfte sich im langjährigen Durchschnitt auf dem genannten Niveau bewegen.

Daraus folgt, dass das Gold seiner traditionellen Funktion als „Fieberthermometer der Finanzmärkte“ bis auf den heutigen Tag mit bemerkenswerter Präzision gerecht wird. Dabei sind Verschwörungstheorien, die behaupten, der Goldpreis werde manipuliert, überhaupt nicht notwendig:

In Wahrheit bildet das königliche Metall den gesamten Papiergeldwahnsinn seit Nixons Entscheidung vom Sommer 1971 einfach und nachvollziehbar ab. Wobei es stets unbestechlich und präzise bleibt. Wie man es von einem Fieberthermometer eben erwartet. 

Die aktuelle Lage ist nun hochinteressant:

Derzeit fehlen dem Gold bis zur psychologisch wichtigen Marke von 2.000 US-Dollar je Feinunze noch etwa 7,7 Prozent. Daraus kann man schlussfolgern, dass das Gold unter Annahme, dass sich Schulden, Geldmengen und Inflationsraten weiterhin so ähnlich entwickeln werden wie in den zurückliegenden 50 Jahren, in den kommenden zwölf Monaten die Marke von 2.000 US-Dollar je Feinunze nachhaltig überspringen wird.

Nach vier Fehlversuchen in den Jahren 2020, 2021, 2022 und 2023, bei denen das Gold an der prominenten Marke scheiterte, sollte das Ereignis diesmal schon allein wegen der zeitlichen Komponente von Dauer sein.

Interessant sind diese Beobachtungen jedoch nicht nur für das Gold selbst, sondern insbesondere für die Minenaktien. Sehen wir uns das etwas genauer an:

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des Goldpreises (Kerzenchart) im direkten Vergleich mit dem Goldminenindex HUI (lilafarbene Linie). Wenig überraschend haben auch die Goldminenaktien die vier Fehlversuche des Goldpreises, die Marke von 2.000 US-Dollar endlich zu überspringen, mit deutlichen Rückschlägen quittiert.

Wobei der jüngste Anstieg (ganz rechts) besonders schwach ausgefallen war, was darauf hindeutet, dass die Stimmung unter den Gold-Anlegern mittlerweile noch deutlich schlechter ist als während den drei vorangegangenen Fehlversuche.

Die Masse glaubt offenbar nicht mehr daran, dass das noch etwas werden kann mit den Goldminen-Aktien. Achten Sie auf den Verlauf der lilafarbenen Linie und die blauen Ziffern in der obigen Grafik.

Es wäre das perfekte Umfeld für eine faustdicke Überraschung. Denn was würde passieren, sollte der Goldpreis in den kommenden Monaten die Marke von 2.000 US-Dollar tatsächlich rausnehmen? Auf Basis der Datenlage ist dieses Ereignis schon heute eine absolut sichere Wette, wie wir gerade gesehen haben – nur glaubt kaum noch jemand daran, dass es tatsächlich eintreten könnte.

Was aber, wenn doch?

Die Schlussfolgerung ist naheliegend, dass beim Gold selbst, vor allem aber bei den Edelmetall-Aktien ein Kursfeuerwerk abgebrannt wird, sobald erkennbar wird, dass der Goldpreis die 2.000 US-Dollar künftig nur noch von oben betrachten wird.

Denn was sich aus systemischer Sicht schon heute abzeichnet, das wird dann auch Heinz und Lieschen Müller auf den Plan rufen: Plötzlich wollen Alle Gold besitzen. Kann sich das Gold daher einige Wochen über der Marke von 2.000 US-Dollar halten, dürfte die Herde ziemlich unmissverständlich in Trab kommen.

Eine ausgewachsene Kaufpanik könnte die Folge sein, denn ist die prominente Marke erst einmal für alle sichtbar überwunden, dann kann niemand prognostizieren, wie weit die Reise nun gehen wird.

Steigt das Gold auf 3.000 US-Dollar, auf 5.000 oder auf 20.000? Niemand weiß das. Weil dem Gold auf seinem weiteren Weg zu neuen Rekorden keinerlei charttechnische Begrenzungen mehr im Weg stehen, ist alles möglich. Und weil sich das unter den Anlegern rasend schnell herumsprechen wird, dürfte es dann buchstäblich kein Halten mehr geben.

Besonders interessant wird es auch dann wieder bei den Goldminen-Aktien, denn das geschilderte Szenario dürfte dafür sorgen, dass der Goldaktienindex HUI den Gleichlauf mit dem Goldpreis, der bis 2011 erkennbar war, wieder aufnimmt. Für den Index würde das ausgehend vom aktuellen Niveau eine Vervierfachung bedeuten. Die folgende Grafik lässt das schon heute erahnen. Die lilafarbene Linie bildet auch hier wieder den Goldaktien-Index HUI ab.

Das bedeutet. Sobald die 2.000 US-Dollar für jeden sichtbar überwunden sind, dürfte kein anderer Sektor eine auch nur annähernd ähnlich explosive Entwicklung zeigen, wie die Goldminen-Aktien.

Abschließend sei noch angemerkt, dass die Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten natürlich noch sehr viel üppiger ausfällt als die einleitend erwähnten Staatsschulden.

Beispielhaft zeigt dies die folgende Grafik, die den gesamten US-Schuldenstand (Regierung, Unternehmen, Haushalte, Aktienkredite, Bankverbindlichkeiten und Studentenkredite) zur Wirtschaftsleitung der Vereinigten Staaten ins Verhältnis setzt. Achten Sie auf die schwarze Linie. Die Schere, die sich hier zum BIP (blau) gebildet hat, ist wirklich sehenswert.

Auch hierzu noch ein paar Zahlen: Die Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten ist ausgehend von 400 Milliarden US-Dollar im Jahr 1966 jährlich um durchschnittlich rund 10,041 Prozent angestiegen.

Würde der Goldpreis dieses Niveau abbilden, und nicht „lediglich“ den Zuwachs der Staatsverschuldung von jährlich rund 7,9 Prozent, dann müsste eine Unze Gold schon heute bei rund 5.216 US-Dollar notieren.

Also hoch die Tassen, und ein Prosit auf die magische große runde Zahl…

Mehr dazu in der März-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs…

 

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2 Antworten

  1. Ich glaube in der Berechnung ist ein Fehler und man kommt auf eine jährliche Rendite bei Gold von 3,8%

  2. Hallo Herr Kern,

    wenn man Zins und Zinseszins in die Berechnung mit einbezieht, wie das in unserem Geldsystem ja auch bei den Staatsschulden üblich ist, dann kommt man beim Gold mit Startpunkt 1971 auf einen jährlichen Zuwachs von 7,88 Prozent, gerundet also 7,9 Prozent.

    Anders sieht die Rechnung freilich aus, wenn man als Startpunkt das Jahr 1900 und einen Goldpreis von 18,96 USD wählt. In diesem Fall kommt man tatsächlich auf einen Zuwachs von rund 3,9 Prozent. Das ist aber nicht sinnvoll, denn die Goldbindung des USD wurde erst mit dem Nixon-Entscheid vom Sommer 1971 endgültig aufgehoben.

    Das bedeutet: Der gesamte Papiergeldwahnsinn, der seit dem Jahr 1971 auf unserer Welt stattfindet, wird durch den Goldpreis exakt abgebildet.

    Hier kann man mit weiteren Zahlen experimentieren:

    https://www.zinsen-berechnen.de/zinsrechner.php

    Mehr dazu in der März-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs…

    Viele Grüße, Andreas Hoose