Der Zusammenbruch des US-Imperiums…

Die Vereinigten Staaten befinden sich an einem zentralen Punkt ihrer Geschichte: Während viele US-Bürger noch auf eine wundersame Auferstehung hoffen, ist das Ende bereits absehbar. Ein Beitrag von Jeff Thomas…
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Vor Jahren erwähnte Doug Casey in einem Briefwechsel: „Imperien fallen mit erschreckender Geschwindigkeit.“

Hin und wieder erhält man einen Kommentar, der, obwohl er vielleicht beiläufig geäußert wurde, eine nachhaltige Wirkung hat, da er ungewöhnliche Einsichten bietet. Für mich war dies einer dieser Kommentare, den ich seither zur Erinnerung an meinem Schreibtisch aufbewahre.

Ich stamme aus einer britischen Familie, die das Vereinigte Königreich gerade zu dem Zeitpunkt verließ, als der Niedergang des britischen Empire begann. Sie wanderten in die „Neue Welt“ aus, um sich dort eine Zukunft aufzubauen.

Da ich die meiste Zeit meines Lebens in einer britischen Kolonie – den Kaimaninseln – verbracht habe, hatte ich Gelegenheit, viele britische Fachkräfte zu beobachten, die das Vereinigte Königreich auf der Suche nach Aufstiegsmöglichkeiten verließen, die sie dann auf den Kaimaninseln fanden. Seltsamerweise kehrten die meisten von ihnen nach relativ kurzer Zeit in das Vereinigte Königreich zurück, weil sie glaubten, dass sich das Imperium von seinem Niedergang erholen würde, und sie wollten dabei sein, wenn es „zurückkommt“.

Natürlich ist dies nie geschehen. Stattdessen lösten die USA das Vereinigte Königreich als wichtigstes Imperium der Welt ab, und obwohl das britische Empire in den folgenden Jahrzehnten seine Höhen und Tiefen hatte, ist es niemals zu seinem früheren Ruhm zurückgekehrt.

Und das wird es auch nicht.

Betrachtet man die Weltreiche, die im Laufe der Jahrtausende existierten, so stellt man fest, dass sie zusammenbrechen, ohne sich anschließend zu erneuern. Ob wir das Römische Reich, das Osmanische Reich, das Spanische oder irgendein anderes Reich betrachten, – die Geschichte ist in diesem Punkt bemerkenswert konsistent: Ein untergegangenes Reich kehrt niemals von selbst zurück, wenn es einmal gefallen ist.

Doch welche Bedeutung hat das für uns heute?

Nun, heute sind die USA das führende Imperium der Welt, und die meisten Amerikaner würden zustimmen, dass sie zwar eine schwierige Phase durchmachen, sich aber wieder erholen werden – und dann vielleicht sogar besser sind als jemals zuvor.

Ich fürchte, dem wird nicht so sein. Alle fallenden Imperien folgen dem gleichen Zyklus. Der Aufstieg beginnt zunächst mit einer Bevölkerung, die eine starke Arbeitsmoral hat und auf sich selbst angewiesen ist. Diese Menschen organisieren sich, um eine Nation von großer Stärke zu formieren, die auf hoher Produktivität beruht.

Dies führt zu einer Expansion, die auf dem Welthandel basiert. Irgendwann bringt dieser Prozess eine politische Klasse hervor, die nicht mehr mit anderen Nationen zusammenarbeiten, sondern sie beherrschen will – und so wird aus einer großen Nation schließlich ein Imperium. Die USA begannen diese Phase unter dem extravaganten und aggressiven Teddy Roosevelt.

Das zwanzigste Jahrhundert war das amerikanische Jahrhundert, und die USA eilten von Sieg zu Sieg und erweiterten ihre Macht immer mehr.

Doch schon in den 1960er Jahren begann der Niedergang als die USA immer wieder Kriege führten, die nicht zu gewinnen waren. Zugleich wurde die Währung zerstört und die Regierung zu einem allmächtigen Organ ausgebaut.

Dieser Prozess ist jedoch in aller Regel äußerst langwierig und der anschließende allgemeine Niedergang dauert oft Jahrzehnte.

Wie passt das zu dem eingangs erwähnten Zitat „Reiche fallen mit alarmierender Geschwindigkeit“?

Nun, die Vorbereitungen für den Untergang sind oft während einer ganzen Generation oder noch länger zu beobachten – doch der tatsächliche Untergang erfolgt in der Regel sehr schnell.

Das ist so ähnlich wie bei einem Tyrannen auf dem Schulhof:

Der Tyrann hat einen langsamen Aufstieg, der auf seiner Stärke und aggressiven Neigung beruht. Nach einer Reihe erfolgreicher Kämpfe wird er erst verehrt, später gefürchtet. Dann stellt er mehrere Handlanger ein, die nicht so gut sind wie er, aber etwas von der Beute abhaben wollen, also tun sie, was er will, und wirken auf andere Schüler bedrohlich.

Der Tyrann wird daraufhin immer mehr zu einem Hassobjekt. Niemand sagt es ihm, aber die anderen Kinder träumen bereits von seiner Niederlage, hoffentlich auf beschämende Weise.

Irgendwann hat ein Junge, der über ein gewisses Maß an Kraft und Entschlossenheit verfügt, genug und nimmt es mit dem Tyrannen auf. Wenn er ihn besiegt, geschieht etwas Merkwürdiges. Die Schergen merken plötzlich, dass das Spiel vorbei ist, und sie machen sich aus dem Staub, weil sie wissen, dass ihre Machtbasis verschwunden ist.

Doch wenn der besiegte Tyrann erst einmal am Boden liegt, dann kommen all die Wut, die Angst und der Hass, die seine Mitschüler für ihn empfunden haben, zum Vorschein – und sie haben große Freude an seiner Niederlage.

Und genau das ist es, was zusammengefasst auch mit Imperien geschieht.

Eine Nation, die in Zeiten echter Not zu Hilfe kommt (wie in den beiden Weltkriegen), wird verehrt. Sobald sich diese Nation jedoch in einen Tyrannen verwandelt, der jeden Vorwand nutzt, um in Länder wie Afghanistan, Libyen, Irak und Syrien einzumarschieren, verneigen sich die Verbündeten zwar weiterhin vor ihr, fürchten sie aber insgeheim und wünschen sich, dass sie dem Tyrannen einen Strich durch die Rechnung machen könnten.

Wenn das Imperium dann anfängt, sich nach anderen Nationen umzusehen, um sie zu tyrannisieren, wie z. B. den Iran und Venezuela, sagen seine Verbündeten wieder nichts, sondern reagieren mit Angst, wenn sie sehen, wie die John Boltons und Mike Pompeos die Kriegstrommeln schlagen und rücksichtslose Kommentare abgeben.

Derzeit konzentrieren sich die USA vor allem auf die wirtschaftliche Kriegsführung, aber wenn dies nicht dazu führt, dass sich die Welt ihrer Dominanz beugt, haben die USA im Hinblick auf eine mögliche militärische Aggression wiederholt gewarnt, dass „keine Option vom Tisch ist“.

Die USA haben das klassische Stadium erreicht, in dem sie zu einem rücksichtslosen Tyrannen geworden sind, und ihre Unterstützungsstruktur aus Verbündeten hat sich infolgedessen zu entkoppeln begonnen.

 Zur gleichen Zeit, in der die Verbündeten beginnen, sich zurückzuziehen und andere Pläne für ihre Zukunft zu schmieden, beginnen auch die Bürger innerhalb des Reiches, die in der Regel die Schöpfer des Wohlstands sind, nach grüneren Weiden zu suchen.

In der Geschichte hat sich dies unzählige Male ereignet. Es kommt zum „Brain Drain“, bei dem die Besten und Produktivsten einer Nation beginnen, ihre Zukunft anderswo zu suchen. So wie die produktivsten Europäer vor 200 Jahren den Großen Teich überquerten, um die USA zu erobern, als diese noch ein neues, vielversprechendes Land waren, haben ihre heutigen Kollegen begonnen, ins Ausland abzuwandern.

Die USA befinden sich gegenwärtig in einer Art Schwebezustand. Sie scheinen immer noch eine wichtige Kraft zu sein, aber ihre Stützen verschwinden. Irgendwann in naher Zukunft wird sich die US-Regierung wahrscheinlich übernehmen und gegen einen Feind vorgehen, der entweder stärker ist oder über Bündnisse verfügt, die ihn gemeinsam stärker machen.

Die USA werden zu einem Zeitpunkt in den Krieg eintreten, zu dem sie pleite sind, und das wird plötzlich und dramatisch deutlich werden. Der endgültige Niedergang wird mit beängstigender Geschwindigkeit erfolgen.

Sobald dies geschieht, wird die Mehrheit der Amerikaner vergeblich auf eine Umkehr der Ereignisse hoffen. Sie werden zu der Hoffnung neigen, dass die Welt ihnen verzeiht und ihnen ihren früheren Ruhm zurückgibt, wenn sie kollektiv sagen: „Sorry, wir haben Mist gebaut“.

 Historisch gesehen ist dies jedoch niemals der Fall. Stattdessen  zerfallen Imperien mit beängstigender Geschwindigkeit, weil die Unterstützungssysteme, die sie möglich gemacht haben, abgewandert sind und anderswo neue Kraft geschöpft haben.

Anstatt den drohenden Verlust von Imperien zu beklagen, sollten wir uns lieber auf die Teile der Welt konzentrieren, die von dieser Unvermeidlichkeit profitieren werden.

Der englischsprachige Beitrag ist ursprünglich hier erschienen.

 

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