„Unterbrich niemals Deinen Feind, während er einen Fehler macht.“
(Napoleon Bonaparte)

Der ehemalige US-Präsident Richard Nixon nach seinem Rücktritt im August 1974… (Quelle: Getty Images)
Wie Todeskandidaten verbringen Anleger den Großteil ihrer Zeit damit, darauf zu warten, dass etwas passiert. Eines Tages verkündet eine Schlagzeile, dass ein Abkommen kurz bevorsteht … und der Ölpreis fällt.
Bloomberg stellt dazu fest:
„Öl- und Gaspreise stürzen ab nach Öffnung der Straße von Hormus und Hoffnung auf Kriegsende.“
Am nächsten Tag schießt der Ölpreis in die Höhe … während Hoffnungen auf ein Abkommen schwinden.
The Guardian schreibt:
„Ölpreise steigen und Märkte fallen, nachdem US-Beschlagnahmung eines Schiffes Hoffnungen auf ein Friedensabkommen mit dem Iran zunichtemacht.“
Aber wenn man nicht über Insider-Informationen aus dem Weißen Haus verfügt…
BBC dazu:
„Ölgeschäfte im Wert von 580 Millionen Dollar, die Minuten vor Trumps wichtiger Iran-Ankündigung getätigt wurden, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.“
Man verdient eher großes Geld, indem man sich „auf der richtigen Seite der Geschichte“ positioniert und dort bleibt, als durch Spekulationen auf politische Veränderungen. Heute rätseln wir, wo die „richtige Seite der Geschichte“ wirklich zu finden ist.
Derzeit warten Investoren auf eine Lösung für den Angriff der USA und Israels auf den Iran. Beflügelt von der kinderleichten Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten dachten die Entführer, sie könnten im Iran in ähnlicher Weise nachlegen. Alles, was sie tun mussten, war – wie ein anderer berühmter Führer vor 85 Jahren über die Invasion der Sowjetunion sagte – „die Tür einzutreten, und das ganze Haus“ würde zusammenbrechen.
Die Trump-Regierung habe einen „Fehler“ begangen, sagen die Experten. Sie haben die Tür eingetreten – und die iranische Führung ermordet, nicht nur den Obersten Führer Khamenei, sondern auch seine Tochter, seinen Schwiegersohn, seine Enkelin, seine Schwiegertochter und etwa vierzig militärische und zivile Führungskräfte des Landes. Doch das Dach stand noch. Und die Wände. Und die Menschen, die im Inneren am Leben geblieben waren, taten genau das, was man erwarten konnte: Sie wehrten sich.
Unterlegen an Waffen … unterlegen an Geld … unterlegen an Klasse – doch wie die Sowjetunion hatte auch der Iran ein Ass im Ärmel. In Russland waren weite Entfernungen, schlechte Straßen und schlechtes Wetter die besten Verbündeten der Sowjets. Der beste Freund des Iran ist hingegen eine schmale Meerenge zwischen der saudischen Halbinsel und dem eurasischen Festland. Iranische Artilleristen können sich in Höhlen und Mulden verstecken und Schiffe versenken, die die Straße von Hormus passieren.
Was also kurz und bündig sein sollte – die Operation „Epic Fury“ – ging völlig daneben.
Verbündete distanzierten sich von den USA. (The Financial Times: „Die europäische Rechte wendet sich von Amerika ab“).
Die finanzielle Lage Amerikas verschlechtert sich. („Ich bin mir sicher, dass wir eine Billion Dollar für den Iran-Krieg ausgeben werden“, sagt Linda Bilmes von der Harvard Kennedy School).
Der Preis für den weltweit wichtigsten Rohstoff – Öl – stieg um 50 %. (Der durchschnittliche Benzinpreis liegt nun bei über 4 Dollar.)

Und der Iran ist im Großen und Ganzen das geblieben, was er schon vorher war. Noch wichtiger für den Präsidenten der Vereinigten Staaten (POTUS) ist jedoch, dass seine Umfragewerte immer weiter sinken…
Die oberste Priorität der iranischen Führung ist das Überleben. Sie befürchten, dass die USA sie töten werden, wenn sie eine Gelegenheit dazu bekommen.
Die oberste Priorität für Donald Trump ist dagegen das Überleben der republikanischen Kontrolle über den Kongress. Andernfalls wird er seines Amtes enthoben werden … und seine Hoffnungen auf einen Nobelpreis oder gar eine Ehrenmedaille sind dahin. …sein Name würde von öffentlichen Gebäuden entfernt werden…sein Bild aus den Rekrutierungsbüros verschwinden…Pläne für einen Triumphbogen würden verworfen…und viele seiner Freunde und Familienangehörigen würden wegen Korruption vor Gericht gestellt werden…
Zum jetzigen Zeitpunkt begehen die Republikaner wahrscheinlich einen Fehler. Je länger Trump auf dem Chefsessel sitzt…und je verrückter und unfähiger er wirkt… desto wahrscheinlicher wird es, dass die Demokraten die kommenden Wahlen gewinnen – sowohl in diesem Jahr… als auch 2028. Kluge Demokraten wollen ihn vielleicht doch nicht nach dem 25. Verfassungszusatz absetzen.
Wir geben hier keine politischen Ratschläge, aber ein kluger Trump könnte einen Regimewechsel begrüßen und sich zurückziehen. Ähnlich wie seinerzeit Richard Nixon könnte er aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten und seinem Vize James David „JD“ Vance die Nachfolge überlassen – im Austausch gegen eine Begnadigung…
Auf jede Aktion folgt eine Reaktion, und wir vermuten, dass die Nation die großspurigen Sprüche des „Big Man“ satt hat. Eine Rückkehr zu nüchterner, vernünftiger Normalität – auch wenn diese größtenteils nur vorgetäuscht ist – könnte den Republikanern eine faire Chance bieten, noch weitere zehn Jahre an der Macht zu bleiben … Trump vor Vergeltung bewahren … und den Niedergang des Imperiums weitergehen lassen, allerdings in einem langsameren, würdevolleren Tempo.
Demnächst werden wir uns die Alternative ansehen – wie die Demokraten zurückkommen könnten … mit aller Macht…
Mit freundlichen Grüßen,
Bill Bonner






