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Warum wir keine Derivate kaufen…

Investorenlegende Warren Buffett hatte sich vor einiger Zeit einmal sehr abfällig über Derivate geäußert. Diese Finanzwetten, Optionsscheine beispielsweise oder Zertifikate, seien „finanzielle Massenvernichtungswaffen“. Ist damit nicht bereits alles gesagt und kann man das Thema somit abhaken? Nicht ganz, denn der Sektor erfreut sich nach wie vor außerordentlicher Beliebtheit. Doch ist das berechtigt? Welche Risiken sind mit diesen Finanzwetten in Zeiten einer globalen Schulden- und Geldsystemkrise verbunden? Unterdessen warnt die deutsche Finanzaufsicht vor Problemen im Bankensektor wegen der Coronakrise…  

Derivate sind künstliche Finanzinstrumente, die von traditionellen Anlageformen wie Aktien, Anleihen, Währungen, Edelmetallen oder Rohstoffen abgeleitet sind. Mit anderen Worten: Dem Derivat liegt lediglich ein Anlageinstrument zugrunde. Das Konstrukt selbst ist jedoch „wertlos“, wenn man so will. Aber gleich von Massenvernichtungswaffen zu sprechen? Ist das nicht etwas übertrieben?

Alles halb so schlimm, stellte das Handelsblatt im folgenden Beitrag schon vor einigen Jahren fest. Und man höre und staune: Die von Buffett gescholtenen Wetten hätten die Finanzwelt sogar „sicherer gemacht“…

Hören wir hier das Pfeifen im Walde, das anhebt, um bloß keine schlafenden Hunde zu wecken? In ruhigem Börsenfahrwasser mag an dem Sicherheitsargument vielleicht sogar etwas dran sein. Doch leben wir in „normalen Zeiten“ mit ruhiger See – oder womöglich eher am Vorabend eines ausgewachsenen Orkans?

Letzten Endes geht es um die Frage, ob man in diesen Zeiten in Sachwerte investieren sollte, hierzu zählen auch Aktien, oder lieber in Papiergeld, also etwa in Derivate.

Bankenkrise in Sicht?

Der Dreh- und Angelpunkt bei der Frage, ob man sein Erspartes in Finanzwetten anlegen sollte, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit dort zu finden, wo Anleger aus Gewohnheit kaum hinsehen: Bei den Banken selbst. Doch waren die nicht „schon immer“ da und braucht sie ohnehin nicht jeder? Wozu sollte man sich da also größere Sorgen machen?

So denkt vermutlich die überwiegende Mehrheit. Doch könnte es nicht sein, dass die Finanzhäuer selbst zu einem Risiko werden könnten, sollte sich die Lage weiter zuspitzen?  

Schließlich sind es die Banken, die Derivate begeben, also für die Interessenten an den Kapitalmärkten erst zugänglich machen. Man spricht daher auch von einem „Emittentenrisiko“. Das bedeutet: Kommt ein Emittent in größere Schwierigkeiten, kann das von dieser Bank begebene Derivat im Extremfall vollständig wertlos werden. Ist es das, was Buffett mit seiner Warnung gemeint hatte?

Konsequenterweise muss man davon ausgehen, dass größere Probleme bei den Banken früher oder später auch bei den von diesen Banken herausgegebenen Derivaten landen werden. Dass dies schon naher Zukunft auf der Agenda stehen könnte, hatte ausgerechnet die deutsche Finanzaufsicht BaFin erst kürzlich deutlich gemacht. Demnach würden Firmenpleiten wegen der Coronakrise früher oder später auch den Bankensektor unter Druck bringen. Dazu der folgende Beitrag von Spiegel-Online…

Was die Spatzen längst von allen Dächern pfeifen, wird nun also quasi regierungsamtlich bestätigt. Denn natürlich werden die Banken im Zuge der Coronakrise schon in naher Zukunft Schwierigkeiten kommen.  

Dann wird die „Retterei“ allerdings erst so richtig losgehen, und auch das globale Erwachen dürfte dann einen Gang höher schalten, denn die Summen, die notwendig sein werden, um den Banken aus der Patsche zu helfen, dürften das Vorstellungsvermögen der meisten Menschen weit übersteigen….

An dieser Stelle ist nun ein Blick auf den folgenden Kursverlauf erhellend: Sie sehen den Verlauf des Europäischen Bankenindex seit dem Jahr 2002 auf Quartalsbasis.

Wie gut zu erkennen ist, haben die Notierungen schon im vierten Quartal 2019 eine sehr bedeutende waagrechte Unterstützungslinie nach unten durchbrochen. Also schon lange vor der Corona-Pandemie.


Denken wir nun also einmal etwas weiter und fragen wir uns, was mit dem dargestellten Kursverlauf passieren wird, sollten die Banken wegen der Firmenpleiten, die aufgrund des jüngst wieder verordneten Corona-Lockdowns früher oder später auf Europa zurollen werden, noch stärker in Schieflage geraten sollten, als dies offenbar schon jetzt der Fall ist.

Konkret gefragt: Wenn wegen massenhafter Firmenpleiten ebenso massenweise Kredite ausfallen, werden die Aktien der Finanzinstitute dann den nächsten Höhenflug starten und die waagrechte rote Linie in der Grafik wieder nach oben überwinden? Oder werden sie noch weiter einbrechen? Was meinen Sie?

Der gesunde Menschenverstand hat auf diese Frage eine erfreulich plausible Antwort: Natürlich werden die Aktien der Banken weiter abstürzen, wenn sich dem ohnehin grassierenden Nullzins-Problem auch noch eine ausgewachsene Lawine ausfallender Kredite hinzugesellen sollte.

Was das für die von den Banken begebenen Derivate bedeuten könnte, kann man sich schon heute an den fünf Fingern einer Hand abzählen: Im Ernstfall, wenn also die Hütte im Bankensektor richtig brennt, dann werden für diese Finanzwetten keine Kurse mehr gestellt werden. Anleger können dann nicht mehr verkaufen und nur noch zusehen, wie ihr Kapital dahinschmilzt.

Leider kann im aktuellen Umfeld einer sich weiter zuspitzenden Geldsystemkrise niemand ein solches Szenario ausschließen. Und weil sich dies weder wegdiskutieren noch aussitzen lässt, verzichten wir im Antizyklischen Börsenbrief ganz bewusst auf den Einsatz von Finanzwetten aller Art.

Den einen oder anderen Kursgewinn mögen wir auf diese Weise vielleicht verpassen. Doch womöglich ist es auch hier so, wie wir das in der Vergangenheit schon häufig erlebt haben: Ein Problem wird von der Masse meist erst erkannt, wenn es zu spät ist.

Was also kann man tun?

Wer auf den Einsatz von Finanzwetten partout verzichten möchte, dem sei angeraten, regelmäßig die Internetseite des Deutschen Derivateverbandes (DDV) aufzusuchen. Dort werden die so genannten Credit-Default-Swaps der Banken regelmäßig aktualisiert.

Der DDV schreibt dazu:

„Die angegebenen Basispunkte stellen die Versicherungsprämie dar, die der Versicherungsnehmer zu entrichten hat, um sich gegen einen Ausfall der Schuldverschreibungen des jeweiligen Unternehmens abzusichern. Diese Prämien können noch zeitnäher und genauer als manche Ratings Aufschlüsse über die Bonität eines Unternehmens geben. Grundsätzlich gilt: Ein geringer CDS – also eine geringe Risikoprämie – spricht für eine hohe Bonität und umgekehrt“.

Das bedeutet: Je höher der Wert, desto kritischer ist die Lage bei der betreffenden Bank.

Achten sollte man insbesondere darauf, ob die Credit-Spreads plötzlich anfangen stark zu steigen. Das wäre ein wichtiger Hinweis, den Derivatesektor schleunigst zu verlassen. Problematisch wäre auch, sollten die Informationen auf der Internetseite des Derivateverbands „plötzlich“ nicht mehr verfügbar sein.

Und sonst?

Darüber hinaus sollten sich Anleger keine grauen Haare wachsen lassen, sollte sich in naher Zukunft herausstellen, dass der Derivatemarkt in größere Turbulenzen gerät. Denn es gibt sinnvolle Alternativen:

Insbesondere in den beiden von uns favorisierten Sektoren gibt es für Anleger mit hohen Renditeerwartungen interessante Kaufaspiranten, die es mit ihrem „Risiko“ auch mit den spektakulärsten Optionsscheinen und Hebelzertifikaten aufnehmen können:

Vor allem die Aktien kleinerer Unternehmen aus dem Edelmetall- und Rohstoff-Sektor sind berühmt (und auch berüchtigt) für ihre enormen Kursschwankungen. Doch anders als etwa bei einem Optionsschein gibt es hier weder Zeitwertverlust noch Verfallstag. Solange das Unternehmen existiert, und die Kapitalmärkte geöffnet sind, können die Aktien jederzeit an der Börse gehandelt werden…

Und es geht ja auch noch deutlich entspannter: Konservativere Anleger greifen eben zu den Aktien der großen Rohstoff-Konzerne mit mehr oder weniger üppiger Dividendenrendite. Mit anderen Worten: In den beiden Sektoren, die in den kommenden Jahren alle anderen überstrahlen dürften, ist für jedes Risikoprofil etwas dabei.

Schließlich gibt es ja noch unsere Spezialdisziplin: Aktien von „Börsenstiefkindern“, die im Moment niemand haben will, weisen oftmals erhebliches Kurspotential auf – bei gleichzeitig sehr überschaubaren Risiken:

Unternehmen, die ihren Crash bereits hinter sich haben und kurz davorstehen, von den Anlegern wieder entdeckt zu werden, sind zwar selten, zählen aber zu den renditestärksten und risikolosesten Investments überhaupt.

Auf das Risiko von „Massenvernichtungswaffen“ werden wir daher auch in Zukunft ganz entspannt verzichten…

Mehr dazu in der kommenden Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs.