Sind Rüstungsgüter „nachhaltig“?

Werden Investments in Rüstungsgüter schon bald „nachhaltig“ sein? Was sich wie ein schlechter Witz anhört, das ist vollkommen ernst gemeint: Denn wer sein Geld in nachhaltigen Fonds anlegt, der könnte künftig auch in die Hersteller von Waffen, wie Rheinmetall (WKN 703000, Leopard Panzer) oder Lockheed Martin (WKN 894648, F-35-Kampfjets) investieren.

Feuer frei! Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 aus dem Hause Rheinmetall bei der Arbeit. Nach den Vorstellungen der Deutschen Kreditwirtschaft ist diese Zerstörungsgewalt schon bald „nachhaltig“…Bild: Wikipedia
Denn deutsche Banken- und Fondsverbände wollen nachhaltigen Anlageprodukten in Zukunft nicht mehr verbieten, Geld in konventionelle Rüstungsgüter zu stecken. Hintergrund seien aktuelle politische Entwicklungen, etwa der Krieg in der Ukraine oder im Nahen Osten, sowie neue regulatorische Vorgaben, heißt es dazu von der Deutschen Kreditwirtschaft (DK).

Schon bald „nachhaltig“? Der auch in der Ukraine heiß begehrte F-35 Kampfjet wird vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin hergestellt…Bild: Wikipedia
Mir fällt bei der Gelegenheit ein Anlageprodukt der deutschen Umweltbank ein. Dort wirbt man neuerdings für den neu aufgelegten und angeblich nachhaltigen ETF mit der WKN A3EV2A / ISIN LU2679277744.
Werden also auch Anleger, die dort bestens Gewissens ihre sauer verdienten Spargroschen anlegen, schon bald – und oftmals ohne dass ihnen selbst das bewusst ist – mit den Wölfen heulen, weil sie in Wahrheit in die Aktien von Rüstungskonzernen investieren?
Bemerkenswert ist an dieser Stelle nämlich die Tatsache, dass die Unternehmen, in die der ETF investiert, im Internet nirgends zu finden sind. Nicht auf der Webseite der Umweltbank selbst und auch nicht auf einschlägigen Finanzseiten wie Onvista oder finanzen.net. Sollte ich die Informationen lediglich übersehen haben, freue ich mich über einen Hinweis…
Mein Verdacht ist allerdings ein anderer:
Vielleicht hat man ja bei der Umweltbank auf das ansonsten bei Fonds und ETFs übliche Vorgehen, zumindest die zehn größten Aktienpositionen offenzulegen, in weiser Voraussicht verzichtet, weil man bei der Ausarbeitung des Fonds-Konzepts bereits wusste, dass es mit dem Nachhaltigkeits-Label des ETF in Wahrheit nicht weit her ist?
Bis zum Beweis des Gegenteils bestätigt mich die Beobachtung in meiner Ansicht, die ich seit Jahren in meinen Publikationen vertrete:
Unser gesamtes Wirtschafts- und Finanzsystem ist NICHT nachhaltig. Ganz im Gegenteil: Es ist unethisch und zerstörerisch, denn es basiert auf Konsumterror, Wachstumszwang und Zinseszins – und somit auf der tatsächlich „nachhaltigen“ Ausbeutung und Zerstörung unseres Planeten. Und Kriege sind dabei eines der lukrativsten Geschäfte überhaupt.
Man sollte sich daher vom wohlfeilen Geschwafel, Rüstungsgüter würden unsere Demokratie „schützen“ nicht blenden lassen. Tatsächlich geht es um Milliardenprofite der Rüstungsindustrie – und der Kreditwirtschaft, die natürlich ebenfalls nicht leer ausgeht, wenn die Staaten immer weiter aufrüsten. Das ist die Wahrheit, die in der Branche aus naheliegenden Gründen nicht gerne gehört wird…
Denn unter anderem führt das unmittelbar zu der Schlussfolgerung, dass es in einem an sich selbst krankenden Wirtschafts- und Finanzsystem auch keine nachhaltigen Investments geben kann. Nirgendwo, ganz besonders aber nicht in der Rüstungsindustrie…
Anleger sollten das bedenken, ehe sie sich von den grüngefärbten Werbeprospekten beeindrucken lassen, die nach den Plänen der Kreditwirtschaft schon bald auch die Aktien von Rüstungskonzernen umschmeicheln könnten…
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