Sind Goldaktien bald wieder in Bestform?

Wenn die Zeiten schwierig werden, zählen die Aktien der Edelmetall-Produzenten zu den ertragreichsten Sektoren, die der Aktienmarkt zu bieten hat. Bald könnte es wieder soweit sein…
Andreas Hoose

Andreas Hoose

Mit einer provokanten Überschrift beginnt ein Artikel, der jüngst bei den Goldseiten erschienen ist. Unter dem Titel „Goldaktien sind schlimmer als Gold heißt es dort:

„Die jüngste Talfahrt der Goldaktien bestätigt, was in meinen früheren Artikeln über Goldbergbauaktien gesagt und vermutet wurde – nämlich, dass Goldaktien eine lausige Investition sind. Der im vorangegangenen Absatz verlinkte Originalartikel wurde im September 2016 veröffentlicht. Ich habe ihn gerade noch einmal gelesen und finde keinen Grund, seinen Inhalt zu bearbeiten oder zu ändern.

Der Goldpreis erreichte seinen Höchststand im Sommer 2016 – kurz bevor mein Artikel geschrieben und veröffentlicht wurde – mit 1.357 Dollar je Unze (monatlicher Durchschnittsschlusskurs). Zu diesem Zeitpunkt erreichte der GDX (ETF-Index für Goldaktien) seinen Höchststand bei 30,60. Sowohl der Goldpreis als auch die Goldbergbauaktien (Goldaktien) sind seither gesunken und gestiegen, und in den letzten sechs Jahren gab es eine ziemlich große Volatilität.

In letzter Zeit haben sowohl Gold als auch Goldaktien seit ihren letzten Höchstständen Anfang des Jahres eine Abwärtskorrektur erfahren. Wo stehen wir also jetzt? Nachfolgend finden Sie Zehnjahrescharts für Gold und GDX…“

Es folgen zwei Darstellungen, die zeigen, wie sich das Gold und die Goldminenaktien aus dem GDX in der vergangenen Dekade entwickelt haben. Hier der Kursverlauf des GDX seit 2012:

Nun ist es natürlich ziemlich verwegen, um nicht zu sagen irreführend, Goldminenaktien wegen deren relativ schwachen Performance über eine relativ kurze Zeitspanne von zehn Jahren als Investment in Bausch und Bogen zu verdammen.

Unter Berücksichtigung einiger sehr bedeutender Tatsachen, kann man das nämlich auch ganz anders sehen:

Zunächst ist festzuhalten, dass besagter Zehn-Jahres-Zeitraum von 2012 bis mindestens 2021 an den Börsen von einer Art kollektivem Höhenrausch geprägt war:

Getrieben von einer nie gesehenen Geldflut der Notenbanken wurden die großen Aktienindizes auf immer verrücktere Rekordhöhen katapultiert…

Der so genannten „Modern Monetary Theorie“ folgend wurde dies dem staunenden Publikum als „neue Normalität“ verkauft. Und weil viele Anleger diesen Unsinn geglaubt haben, hat in dieser Zeit eben nur eine kleine Minderheit die Notwendigkeit von Goldminen-Investments als Sicherheitsfaktor erkannt. Entsprechend schwach war deren Wertentwicklung, und zwar sowohl gemessen an den Aktienmärkten, wie auch gemessen am Gold selbst.

Ganz ähnliche Fehlprognosen wurden übrigens im Sommer 1929 publiziert. Seinerzeit behauptete etwa der hochangesehene Ökonom Irving Fisher, dass die Aktienkurse ein „dauerhaft hohes Niveau erreicht“ hätten.  

Nur wenige Wochen später begann jene Periode, die in die Geschichtsbücher eingehen sollte: Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre setzte nun aber gleichzeitig eine Periode ein, da Goldaktien gemessen am breiten Aktienmarkt eine außerordentlich positive Wertentwicklung zu verzeichnen hatten.

Legendär ist etwa der Vergleich des Dow Jones mit der Aktie von Homestake Mining: Während der Weltleitindex bis 1932 rund 90 Prozent seines Wertes einbüßte, konnte sich die Aktie des damals weltgrößten Goldproduzenten in etwa verzehnfachen. Dazu die folgende Grafik:

Im Jahr 1936, als der Dow Jones gerade wieder erste Lebenszeichen von sich gab, die Aktie von Homestake Mining aber längst auf nie geahnte Höhen enteilt war, wäre daher niemand auf die Idee gekommen, Goldminen als lausige Investments zu verunglimpfen, denn sie waren der uneingeschränkte Superstar im Ring.

Ganz ähnlich war das einige Jahrzehnte später während der Hochinflations-Phase der 1970er Jahre: Investments am breiten Aktienmarkt brachten über einen Zeitraum von 16 Jahren, und zwar von etwa 1966 bis 1982, inflationsbereinigt so gut wie keine Rendite. Die folgende Grafik zeigt das.

Zwischen 1966 bis 1982 erzielten Anleger mit großen US-Blue-Chip-Aktien unter Einbezug reinvestierter Dividenden und nach Bereinigung um die Inflation eine Nullrendite. Per 1974 hatten sie real betrachtet fast die Hälfte ihres Werts verloren…

Wer jedoch in Goldminenaktien investierte, der konnte in der gleichen Zeit ein Vermögen machen. Und zwar gleich mehrfach, wie die erratischen Kursausschläge des Barrons Gold Mining Index in dieser Zeit belegt. Achten Sie auf die blaue Linie in der folgenden Grafik:

Auch dem Platzen der Internet-Blase um die Jahrtausendwende folgte mit der Baisse von 2001 bis 2003 eine Phase, da Anlagen am Standardaktienmarkt weit hinter Investments in Goldminen-Aktien zurückblieben.

Die folgende Grafik zeigt dazu die Wertentwicklung des Goldaktienindex HUI zwischen 2001 und 2020. Die Baisse von 2001 bis 2003 ist mit einem grünen Rechteck markiert. In Worten: Während sich der Kurswert des S&P 500 in etwa halbierte, verzehnfachte (!) sich der Goldaktienindex HUI. Ein „schwaches Investment“ sieht anders aus…

Eine ähnliche Beobachtung konnten Anleger noch einmal unmittelbar nach dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008 machen: In der wegen der vorangegangenen Lehman-Pleite von enormen Ängsten und Unsicherheiten geprägten Phase zwischen 2009 und 2011 waren Goldminen-Investments dem breiten Aktienmarkt erneut um Längen voraus. Der Goldaktien-Index HUI etwa konnte sich erneut verfünffachen. Achten Sie auf das dunkelblaue Rechteck in der Grafik oben.

Schließlich sei an ein noch recht junges Ereignis erinnert: Auf dem Höhepunkt der Corona-Panik im März 2020 gab es kein besseres Investment als Goldminen-Aktien. Besonders die Kurse der kleineren Werte und der Explorer konnten sich binnen weniger Wochen vervielfachen. Die folgende Grafik zeigt das Spektakel erneut am Beispiel des HUI. Der grüne Pfeil markiert den März 2020:

Wer da nun ein Muster erkennt, der sieht das vollkommen richtig:

Goldminen-Aktien sind in der Regel dann schwache Performance-Lieferanten, wenn an der Börse eitel Sonnenschein herrscht und die Anleger euphorische Partys feiern. So wie in der einleitend zitierten Periode zwischen 2012 und 2021.

Sobald die Stimmung aber umschlägt, und Angst und Panik die Aktienmärkte fest im Griff haben, gibt es über einen Zeitraum von vielen Jahrzehnten betrachtet kaum bessere Anlage-Alternativen als die Aktien von Gold und Silberproduzenten. Wer es geschickt anstellt, der kann wegen der enormen Schwankungsbreite dieser Titel in solchen Zeiten sogar mehrfach ein Vermögen machen.

Man könnte es so sagen: Goldminen-Aktien zählen zu den ertragsstärksten, aber auch zu den schwankungsfreudigsten Sektoren, die der Aktienmarkt zu bieten hat. Für eine „Buy-and-Hold-Strategie“ sind sie allerdings nur bedingt geeignet. Anleger sollten daher beizeiten daran denken, Gewinne einzutüten.

Die alles entscheidende Frage, die Investoren jetzt beschäftigen sollte, lautet daher, in welcher Phase wir uns derzeit befinden und welche Entwicklungen und Stimmungslagen in den kommenden Monaten zu erwarten sind.

Eines scheint dabei schon heute sicher:

Euphorie und Glückseligkeit werden in den Börsensälen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht dominieren…

https://antizyklischer-boersenbrief.de/

 

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