Bauernproteste: Enorme Unterstützung…

Rund 70 Millionen Deutsche stehen hinter den Landwirten. Wann gehen auch die Massen auf die Straße? Womöglich an einem Wochenende im März? Die Bauern haben es in der Hand...
Andreas Hoose

Andreas Hoose

Als Bauern-Präsident Joachim Rukwied und Finanzminister Christian Lindner (FDP) Mitte Januar vor einigen zehntausend Bauern am Brandenburger Tor ihre Reden hielten, da startete der Nachrichtensender n-tv in etwa zeitgleich eine Telefon-Umfrage: Finden die n-tv-Zuseher die seit einer Woche andauernden Proteste der Bauern „angemessen“, ja oder nein?

Vom Ergebnis war offenbar sogar die n-tv-Redaktion selbst überrascht. Denn aus der kleinen Schar derer, die mit „Nein“ votierten, die Proteste also unangemessen fanden, machte die Redaktion zunächst 17 Prozent. Tatsächlich waren aber nur 7 (sieben!) Prozent dieser Ansicht. Der Fehler wurde schnell korrigiert…

Daraus folgt: Unglaubliche 93 Prozent (!) der ntv-Anrufer fanden unter dem Eindruck der Ereignisse vom 15. Januar in Berlin die Proteste der Bauern richtig. Andere Befragungen kommen in diesen Tagen zu ähnlichen Resultaten…

Die Ampel-Regierung sollte das aufhorchen lassen. Aber auch die Bauern-Funktionäre sollten sich diese Zahlen auf der Zunge zergehen lassen. Denn die Unterstützung der Bauern in der Bevölkerung ist derart überwältigend, dass man aus Bauernperspektive gut beraten ist, dieses Momentum jetzt nicht ungenutzt verpuffen zu lassen.

Wenn es den Bauern wirklich ernst ist mit ihren (nachvollziehbaren) Forderungen nach einem Wandel in der Politik, dann dürfen Parolen wie „Genug ist genug“, „Das Fass ist voll“ oder „Die Ampel muss weg“ keine leeren Worthülsen bleiben.

Die nächste Großveranstaltung der Landwirte nach dem Muster vom Montag, 15. Januar 2024, muss deshalb an einem Wochenende stattfinden. Idealerweise an einem Samstagnachmittag, und nicht an einem Werktag wie zuletzt, wenn die übergroße Mehrheit am Arbeitsplatz schuftet. Denn nur dann haben die rund 70 Millionen Bundesbürger, die schon heute auf der Seite der Bauern stehen, und die in der übergroßen Mehrheit mit der Politik der Bundesregierung ebenfalls nicht einverstanden sind, die realistische Chance, sich den Protesten von Landwirten, Spediteuren und Handwerkern anzuschließen.

Ein Wochenende im März würde sich anbieten. Mit etwas Glück ist das Wetter dann schon wieder so erträglich, dass auch Heinz und Lieschen Müller ihren Unmut über die Politik der Bundesregierung ohne eigens mitgebrachtes „Lagerfeuer“ kundtun können.

Schließlich ist nicht jeder ein krisenfester Landwirt, der souverän allen Widrigkeiten trotzt. Außerdem ist die Welt im März oftmals fest in der Hand der berüchtigten „Iden“:

Diese bewegende Zeit, in der auch die Börsen oftmals wilde Kapriolen schlagen, wäre wie geschaffen für tiefgreifende politische Veränderungen. Denn wer die Proteste der vergangenen Wochen aufmerksam verfolgt hat, der erkennt, dass es nicht nur den Landwirten genau darum geht: Ein „Weiter so“ ist für eine Mehrheit im Land keine Option mehr…

Die alles entscheidende Frage ist aber: Wollen die Bauern-Funktionäre überhaupt einen breiteren Rahmen ihrer Proteste? Oder wollen die lieber unter sich bleiben, damit die politischen Wellen nicht noch höher schlagen, als sie es schon jetzt tun?

Die kommenden Wochen werden das zeigen. Weitere Proteste sind bereits angekündigt.

Übrigens: Historisch betrachtet wäre es nicht das erste Mal, dass politische Veränderungen von wütenden Landwirten ausgehen. Das liegt in der Natur der Sache: Diese bodenständigen und anpackenden Zeitgenossen verfügen noch über jenen gesunden Menschenverstand, der weiten Teilen der restlichen Bevölkerung längst abhanden gekommen ist. Das ist in Deutschland im Jahr 2024 nicht anders als etwa am Beginn der Französischen Revolution.

Fest steht schon heute: Eine bessere Gelegenheit für einen Schulterschluss mit einem Großteil der deutschen Bevölkerung werden die Bauern nicht bekommen. Und wenn die Bauernverbände das anders sehen sollten, dann könnten die Landwirte die Dinge ja auch selbst in die Hand nehmen. Gut vernetzt sind sie ja…

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